Staatliche Fachschule für Lebensmitteltechnik - Berlin
Exkursionen 2008
2008 ging die Exkursion der Berliner Bäckereitechniker(innen) zunächst nach
Hannover. Ziel war die Firma Braun Backmittel und Essenzen, deren neues
Backforum 2007 mit viel Medienresonanz eingeweiht wurde.
 |
In dem beeindruckenden neuen Technikum können praxisnah neue Ideen
und Rezepturen mit unterschiedlichster Technik geprüft werden. Die Liste der Partnerfirmen ist
recht umfassend, und lässt umfangreiche Versuche zu. Diese Offenheit, unvoreingenommen eigene
Ideen in einem sehr gut ausgestatten Technikum testen zu können, ist weitgehend neu in der
Branche. Es bleibt ab zu warten, wie dieses Konzept langfristig angenommen wird. Für die
Fachschüler ist es natürlich sehr interessant, ein so gutes und vielseitiges Technikum
kennen zu lernen und etwas über die "neue Philosophie" des Backforums zu erfahren.
|
| Braun |
Herr Thiemann, Leiter der Anwendungstechnik schilderte den Fachschülern von seinen eigenen Erfahrungen, als er seinen Berufweg begonnen hatte.
Hieraus konnten die Fachschüler die vielfältigen Erwartungen ableiten, die später an sie gestellt werden, wenn sie beispielsweise in der Zulieferbranche tätig werden wollen, unter anderem auch weltweit.
Im Anschluss an die Führung durch die Produktion und das Backforum wurden wir Besucher zu einer ausgiebigen Verkostung eingeladen. In einem Vortrag über die Situation am Markt, sowie die Produkt- und Qualitätsphilosophie des
Unternehmens beschrieb Herr Thiemann ebenfalls die Ziele des Unternehmens.
Die Martin Braun Gruppe (Agrano, Martin Braun KG, C. Siebrecht Söhne, Arconsa in
Spanien, Wolf ButterBack, Cresco in Italien usw.) stellt ein Geschäftfeld innerhalb
der Oetker-Gruppe dar. Die Fachschüler waren beeindruckt von der Vielfältigkeit der
Oetker-Gruppe, und den sich daraus potentiell ergebenden Betätigungsfeldern für
Bäckereitechniker. Herr Thiemann betonte die große Bedeutung von persönlichen Kontakten für die spätere Stellensuche, da es auch für die Unternehmen nicht
immer einfach sei, aus der Vielzahl der Bewerbungen den richtigen Bewerber aus
zu wählen. Exkursionen stellen schon eine Basis für spätere Ansprachen dar.
 |
Herr Imming begrüßte die Fachschüler in Rietberg bei der Firma Kemper.
Kemper gehört zur Horstmann-Gruppe und tritt heute am Markt als
WPBAKERYGROUP auf. Herr Imming ist unter anderem als Produktmanager für
die Knetung zuständig. Davon, dass Herr Imming im Unternehmen vielseitig
tätig ist, konnten wir uns in Berlin bei einem Vortrag beim Infotag
Backwaren 2006, der von Fachschule zusammen mit der VDB
organisiert wurde, überzeugen (siehe Link). Im Hause Kemper werden neben
Knetern Anlagen zur Herstellung von Weizenkleingebäck für den
Handwerksbereich, aber auch für spezielle Anforderungen der Industrie
gefertigt (siehe Link).
|
| Kemper |
Nach einem umfassenden Vortrag zur Technologie des Knetens und dessen
Umsetzungsmöglichkeiten führte Herr Imming die Fachschüler durch die Produktion
und beantwortete dort sehr ausführlich die aufkommenden Fragen. Dabei konnte Herr Imming
direkt an den Anlagen verschiedene Varianten bezüglich der verwendeten
Werkstoffe (Guss, Stahl und Edelstahl) aber auch Techniken, wie unterschiedliche
Möglichkeiten eines Hauptkolben-Antriebs zur Teigteilung demonstrieren. Auch veränderte Konzepte zur Maschinensicherheit konnte Herr
Imming an Beispielen direkt in der Werkhalle an Anlagen
zeigen.
Die Fachschüler kennen natürlich alle die Anlagen aus ihrer Berufspraxis, jedoch bot diese Besichtigung tiefe Einblicke in die Funktionsweise von Technik, und damit in das weitere Umfeld der Lebensmittelproduktion, was für sie sehr interessant war. Sie erhielten einen Einblick in die Entwicklung und Herstellung der in der Backwarenbranche eingesetzten Maschinen und Anlagen.
Infotag Backwaren: Vortrag "Neues Verfahren zur Herstellung von schlusslosem Ringgebäck z.B. Bagels"
 |
Da die Schüler während der gesamten
Exkursion in der Jugendherberge in Detmold übernachteten, konnten sie den zweiten Tag vergleichsweise
entspannt beginnen, da die Jugendherberge in unmittelbarer Nähe zum Tagungsort Römerberg gelegen ist. Die Bäckerei -Tagung bietet mit ihren immer sehr praxisnahen
Beiträgen eine sehr gute Ergänzung zu der Ausbildung in der Fachschule.
Durch Teilnahme an dieser wichtigsten Tagung der
Branche erhielten die Fachschüler eine weitere gute
Gelegenheit, aktuelle Themen der Backwarenbranche kennen zu lernen und die
spannenden Diskussionen zu verfolgen. Einige nutzten sogar die einmalige
Chance und knüpften bei "Brot und Wein" erste Kontakte zu Persönlichkeiten der
Backwarenindustrie und des Handwerks.
|
| Tagung "Bäckereitechnologie" in Detmold 2008 |
Wir nutzten die Gelegenheit und baten den Mitarbeiter des Instituts für Sicherheit und Qualität bei Getreide im Max-Rubner-Institut Herrn Neumann um eine Führung.
An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, und den Fachschülern die wichtigen Bereiche des Instituts zeigten und noch darüber hinaus ausführlich die Arbeitsgebiete erläuterten. Zumal doch alle Mitarbeiter stark in die Tagung eingebunden sind!
 |
Nach zwei sehr interessanten Tagen mit viel theoretischem Input ging es wieder in die betriebliche
Praxis zur Firma Kuchenmeister nach Duingen. Nach der obligatorischen
Hygienebelehrung durch die Herren Schwentje und Sielmann führten sie uns durch ihre Produktion. Für die meisten Fachschüler war es sehr interessant zu
sehen, wie hoch der Automatisierungsgrad beispielsweise bei der Herstellung von
Rührkuchen ist. Welche Bedeutung der Hygiene bei Kuchenmeister
eingeräumt wird, konnten wir nicht zuletzt an der eingesetzten
Reinraumtechnik erkennen. Da dies bei den Produkten üblicherweise nicht
eingesetzt wird, kann man hier von einer gewissen Vorreiterrolle sprechen. Ziel ist es, auch zukünftig die hohen Kundenerwartungen erfüllen zu können. Das
Unternehmen ist nach IFS zertifiziert. Der mit der Norm verbundene hohe Aufwand wird in dem
Unternehmen nicht als Belastung sondern als Chance zur
ständigen Verbesserung der Produktion gesehen.
|
| Kuchenmeister |
Die Qualitätskontrolle ist in einem abgetrennten Raum mit Blickkontakt zur
Produktion eng mit dieser verzahnt. Dies ermöglicht aufgrund der sehr kurzen Wege eine schnelle Reaktion.
Hier konnten die Fachschüler sehen, dass die aus ihrer Ausbildung bekannten
Methoden zur Qualitätskontrolle der Rohstoffe und Fertigprodukte in der Praxis
auch tatsächlich angewandt werden.
Bei den eingesetzten Durchlauföfen gelingt es durch eine spezielle Überwachungs- und Steuerungstechnik die Backatmosphäre
sehr differenziert einzustellen und so auf die
gewünschten Qualitätsparameter der unterschiedlichen Produkte aber auch auf
veränderten Rahmenbedingungen zu reagieren. Die Fachschüler erhielten bei
Kuchenmeister einen umfassenden Eindruck einer modernen
Industrieproduktion, der ihren Blick auf die Unterrichtsinhalte
sicherlich beeinflussen wird. An dieser Stelle möchten wir uns herzlich für die
vielen Informationen und sehr umfangreichen Erläuterungen während und nach der
Führung bedanken.
 |
Die immer wieder gastfreundliche, unkomplizierte und angenehm direkte Art ist es, die uns bereits zu zahlreichen Besuchen zur Firma Böcker nach Minden geführt hat. Wir möchten uns an dieser Stelle ganz besonders bedanken. Hier erlebt man, was es heißt, wenn von einem Familienbetrieb die Rede ist. Da wir ausreichend Zeit für die Weiterreise eingeplant hatten waren wir mehr als pünktlich. Die Fachschüler waren schon da und wurden beim Eintreffen der Lehrer bereits großzügig bewirtet. Alle warteten
ungeduldig auf den vorbereiteten Vortrag über "Das Herstellen von Weizengebäcken ohne Zusätze von Backhefe!" Nach ausführlicher Diskussion
ging es dann in die Produktion. Hier erlebten die Fachschüler, wie
der bekannte Böcker'sche Reinzuchtsauer hergestellt wird. Dabei
erfuhren sie auch, dass dieses wohl mit Abstand bekannteste Produkt
heute nur noch ca.10% des Umsatzes ausmacht.
|
| Böcker |
Ein sehr wichtiges Produktsegment stellen die getrockneten Sauerteige dar, die
weltweit vermarktet werden. Diese werden mit Walzentrocknern auf die gewünschte
Materialfeuchte eingestellt. Bei diesen Produkten können sowohl über die
Sauerteigproduktion als auch über die Parameter bei der Trocknung die
kundenspezifischen Produkteigenschaften eingestellt werden. Bei der Firma Böcker
wird in einer eigenen Abteilung Grundlagenforschung zum Sauerteig bzw. Vorteig
betrieben, um auch zukünftig innovativ auf den Markt reagieren zu
können. Diese kostenintensive Entwicklungsarbeit ist keineswegs
selbstverständlich, da mittelständige Unternehmen diese Arbeiten i.d.R. nicht leisten können und sie weitgehend vollständig auslagern.
 |
Nach dem Auschecken aus der Detmolder Jugendherberge ging es nun weiter
Richtung Berlin. Zuvor wurde der Betrieb Aerzener Brot und Kuchen GmbH
(Mestemacher) in Aerzen besichtigt. Zunächst stellte der Betriebsleiter Herr
Friedrichsdorf den Fachschülern wichtige Mitglieder der Betriebsführung vor, die
dann auch die Führung in kleinen Gruppen übernahmen Bei der
Aerzener Brot und Kuchen GmbH muss man eigentlich von zwei Betrieben
sprechen, da hier sowohl räumlich als auch bezogen auf die Produktpalette in zwei
unterschiedliche Schienen produziert wird. In einem Betriebsteil werden
Vollkornprodukte und in einem anderen Feine Backwaren (TK Blechkuchen) hergestellt.
|
| Aerzener brot |
Bei der klassischen Dreistufen Sauerteigführung kann auf Zusatzstoffe bei der
Vollkornbrotherstellung verzichtet werden, und das 28tägige MHD wird durch den an den
Verpackungsvorgang anschließenden Pasteurisationsvorgang erreicht. Für die großen
Sauerteigmengen werden zahlreiche Bottiche benötigt. Die langen Teigruhen erreicht man
in großen Döpke-Mischern. Die neuen Gastol Heizgas Durchlauföfen
zeigen, dass die neue Konkurrenz aus Osteuropa im größer gewordenen Europa hier sehr ernst
genommen wird. Die Blechkuchen werden mit der sehr flexiblen Ultraschalltechnik
geschnitten.
Nach den Führungen erwartete die Fachschüler ein hervorragendes Mittagessen in einem bekannten Lokal im Ort
Die Betriebsleitung nahm an dem Mittagessen
gleichfalls teil, sodass die Fachschüler sehr individuell ihre
Fragen stellen konnten. Herr Friedrichsdorf beantwortete anschließend sehr
umfassend alle Fragen bezüglich der Produktion. Nicht nur die
Fachschüler waren von dem umfassenden Wissen aus seinem langen Berufleben in
verantwortlichen Positionen sehr beeindruckt. Sehr interessant war die Diskussion
um die Lieferantenbeziehungen zwischen LEH und Lebensmittelherstellern. Entgegen
der landläufigen Meinung, dass die Einkäufer von Aldi die schwierigsten
Verhandlungspartner seien, wurden andere Einkäufer des LEH als wesentlich
"schwieriger" bezeichnet. Herr Friedrichsdorf belegte seine Ausführung immer mit
konkreten Beispielen aus der Praxis. Die Fachschüler waren von dem
Betrieb, den offenen und umfangreichen Gesprächen und natürlich von der
Gastfreundschaft sehr beeindruckt. So gestärkt und zufrieden traten die Fachschüler nach
mehrstündigem Aufenthalt in Aerzen die Rückfahrt nach Berlin an.
 |
Die wenigen Bilder zeigen, dass trotz des zugegebenermaßen sehr straffen
Programms sogar noch Zeit für Freizeitaktivitäten geblieben war.
|
| Freizeitbilder |